Trudel Gruber – Hutladen für Damen

Ende Dezember 2011 schliesst der vielleicht letzte reine Damenhutladen der Welt, naja, auf jedenfall in der Südstadt in Karlsruhe wird es keinen mehr geben. Hüte sind eben nicht mehr so gerne getragen. In Baden-Baden ja sicher, da gibt es mehr Damen die Hüte tragen. Der Hut an sich ist doch eigentlich eine praktische Erfindung. Unter anderem kann durch einen Hut der Friseurtermin verschoben werden oder die Frau kann eben mal so ungekämmt auf die Strasse gehen.  Allerdings sind ungepflegte Haare heute ja auch nicht mehr so tragisch wie es damals war, oder es in Baden-Baden ist. Tatsächlich sind ja Hüte einfach dazu da sich als Individuum abzuheben und Geschmack und Stil zu zeigen.  Mit dem was die Dame bis heute anbietet, fällt eine Frau auf jeden Fall auf, und das ist ja heute auch noch modern, das Aufallen. Also warum nicht mit dem Hut?
Jetzt muss ich aber leider doch noch was ansprechen was mit Hüten, Eitelkeit und Damen aus Baden-Baden gar nichts zu tun hat. Was mich im Gespräch mit der Dame Trudel Gruber, welche ja wirklich noch aus einer anderen Zeit stammt überraschte, war die Begründung der Geschäftsaufgabe nach 62 Jahren mit 92 Jahren. Nein, es ist nicht das Alter, oder die Rente, ach iwo. Das Rentenalter hat Frau Gruber schon jahrzente hinter sich gelassen. Nein, der Grund für Ihre Geschäftsaufgabe ist ein ganz anderer. In einem persönlichen Gespräch sagte Sie mir, in der Südstadt kann es keinen weiteren Laden geben. Sie wohne in der Weststadt, das sei der viel bessere Stadtteil. Die Ausländer kämen nicht in Ihren Laden und kauften angeblich nicht bei Ihr ein. Und das ist der Grund, weshalb Sie den Laden schließe. Da mußte ich erstmal staunen und den Satz in Gedanken wiederholen. Also die Weststadt wäre besser und die Ausländer kämen nicht in Ihren Laden und kaufen nicht bei Ihr ein. Da steht eine hochbetagte Dame vor mir, wie ein Wesen aus einer lange vergangenen Zeit, eine Vergangenheit welche ich nur erahnen kann, ganz egal wieviel Filme, Bücher oder Geschichten ich verinnerlicht habe. Und diese Dame, welche etwa 15.000 Arbeitstage, geht man mal von 20 Arbeitstagen im Monat aus, also 62 Jahre, in Ihrem Laden in der Südstadt Hüte verkaufte. Sie gibt also als Grund nicht einfach an, mir reichts, ich hab lang genug gearbeitet, oder meine Tochter oder meine Enkel, sofern es diese gibt, möchten den Laden nicht weiterführen, oder  sollen doch andere weiter Hüte verkaufen oder ich krieg das nicht mehr alles unter einen Hut, oder was auch immer. Nach so einer langen Zeit braucht es ja gar keinen Grund.  Naja, also diese Dame hat wohl das Bedürfnis einen Grund für die Schließung anzugeben um die Welt auf Mißstände aufmerksam zu machen, welche in Ihren Augen vorhanden sind. Sie behauptet also, dass es wohl in der Weststadt viel besser sei und das die Ausländer in der Karlsruher Südtstadt nicht in Ihren Laden kämen. Und das sei also der Grund weshalb Sie den Laden nun schließe, ich kanns nicht oft genug wiederholen.  Warum sagt die Dame sowas? Und das ein Tag vor Weihnachten. Vielleicht war das der Auslöser. In dieser so gefühlsduseligen und messianischen Zeit sind ja immer alles so rührselig, wahrheitssuchend und fleißig am Botschaften verkünden oder predigen, am liebsten auch kollektiv. Vielleicht möchte Frau Gruber zum Abschluss Ihrer geradzu unsterblichen Art und Weise Hüte zu verkaufen, nochmal die Wahrheit sagen, bevor Sie zu macht, um etwas in Bewegung zu bringen vielleicht oder ganz einfach um darauf hinzuweisen das es einfach heute zuviele Ausländer in der Südstadt gäbe. Es mag ja schon sein, dass es in diesem Stadteil mehr Ausländer gibt als anderswo. Sicher wäre Ihr Hutgeschäft in Baden-Baden in der Nähe des Casinos besser positioniert. Allerdings wären es da wahrscheinlich wohl mehrheitlich die Russen, welche bei Ihr exclusive Hüte kaufen würden, oder Ihre Hüte wäre nicht exclusiv genug für Baden-Baden.
Sie hat aber schon recht damit, dass ausgerechnet da, wo sie 1949 begonnen hat, nun heute vieles in türkisch-ausländischer Hand sein mag. Da wäre es, vielleicht vor 10 oder 20 Jahren, also im Alter von 72 oder 82 zu überlegen gewesen, den Verkaufsstandort zu wechseln. Es begann ja damals, seit 1989 die sogenannte Globalisierung, als die Sowjetunion Geschichte wurde und sich die Welt begann neu zu ordnen. Viele, so vielleicht auch Frau Gruber, können es heute noch nicht so recht verstehen was seither geschehen ist. Wer kann das schon wirklich? Ja Politiker vielleicht, aber die können ja sowieso alles, wie z.B. 500.000 € Kredite bekommen, durch die eigene Frau über die Frau des befreundeten Ehemanns, oder so ähnlich. Zurück zur Globalisierung. Jemand der Anfang des letzten Jahrhunderts geboren wurde wie Trudel Gruber, der hat wohl noch globale Verhältnisse vor Augen, in welchen die Europäer in der Welt das Zepter der Macht in der Hand hielten. Nun, seitdem ist aber so einiges Geschehen. Vor allem, und das ist das entscheidende für jetzt und Heute und in Zukunft noch viel mehr, ist global der Anteil der Europäer auf ein geradezu kleines Häufchen geschmolzen, welcher auch immer kleiner wird. War vor hundert Jahren noch etwa jeder fünfte Erdenmensch ein Europäer, so ist es heute nur noch etwa jeder fünfzehnte. Und so wie die Verhältnisse sich im großen und ganzen ändern, so auch im Kleinen und Feinen, eben in der Kalrsuher Südstadt. Das eine Dame mit 92 nicht mehr diesen umfassenden Blick für Zusammenhänge hat, kann ja jeder gut verstehen. Und hiermit entschuldige ich mich auch bei der Dame dafür, dass ich Ihre Aussage die Ausländer seien Schuld an der Schließung Ihres 62 Jahre alten Geschäftes sind hier veröffentliche. Gleichzeitig bedanke ich mich bei ihr weil nur ein Mensch mit so einer langen Geschichte weit genug in die Vergangenheit reicht um so weit und umfassend in die Tiefe der Zeit zu gehen.  Ich wünsche Frau Grube noch einen schönen und lange Jahre gesunden Lebensabend.
Für die Südstadt hoffe ich, dass es noch ein paar Deutsche geben wird, die dem Druck der Globalisierung, der ja immer mächtiger voranschreitet wenn man die Geburtenzahlen in Europa und dem Rest der Welt anschaut, standhält. Es gibt ja am Werdeplatz gute Beispiele dafür, wie etwa den Zuckerbecker, den Laden 3, den Nahkauf, ein Geschäft für Hörgeräte, ein Tatooshop, eine Apotheke und andere Beispiele für deutsche Geschäfte die sich seit vielen Jahren am Werderplatz behaupten. Ich bin für ein gemeinsames Nebeneinander und gegen eine Getthoisierung. Gegen die Globalisierung zu sein wäre ja jetzt nett gesagt, aber das lwas global geschieht lenkt wohl die Zeit oder Gott, oder der Geldfluß der den Globus ja bekanntlich am Leben hält.  Und ob das Nebeneinander von deutschen und ausländischen Geschäften am Werderplatz möglich sein wird, entscheidet sich so wie auch das was global mit der erde geschieht in der Kasse der einzelnen Geschäfte bzw. global gesehen dem Kontostand der Konzerne. Also es wird da entschieden wo im menschlichen Dasein oder nicht Da sein alles entschieden wird, im Geldbeutel der Geschäftsinhaber. Daher mein Auftruf hier an alle Karlsruher und alle die nach Karlsruhe kommen werden und möchten. Geht in die Südstadt, kauft ein, bei deutschen Kleinhändlern und Handwerkern und bei Ausländern, ganz egal. Nur dadurch wird es möglich sein das es am Ende nicht heißt, es gibt hier nur eine Kultur und die ist ausländisch.

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